Neues aus den Projekten - Reise 2012

Einsatz in Sri Lanka vom 27.05.2012 bis 06.06.2012
Teilnehmer: Leonie Schneider-Loye, Achim und Meike Deuble

Wir kommen um 4.20 Uhr morgens am Flughafen in Colombo an.
Am Ausgang wartet schon ein lächelnder Gamini auf uns.
Wir sind nach 9 Std. Flug froh, ihn zu sehen. und am selben Abend freuen wir uns schon auf ein Treffen mit einer Lehrerin der Blinden- und Taubstummenschule:
Geetha ist eine wunderbare Frau mit einer tollen Ausstrahlung und sie erzählt von ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen.

Blinden- und Taubstummenschule in Tangalle
Um 9:00 Uhr brechen wir am Dienstag zur Blinden- und zur Taubstummenschule auf. Unterwegs kaufen wir noch ein paar Süßigkeiten für die Schüler der beiden Schulen ein.
In der Blindenschule, „School for the deaf and blind“, werden wir von 4 kleinen Kindern erwartet, die uns mit Betelblätter zum Empfang begrüßen.
Herr Perere, der Schulleiter ist bereits 73 Jahre alt und selbst blind.  Er empfängt uns herzlich in seinem Büro.  Auch er hat eine unbeschreibliche Ausstrahlung.
Wir überreichen ihm das mitgebrachte Sehtestgerät, das wir in Deutschland von der Fa. Gambro bekommen haben und 20- 30 Brillengestelle, eine Spende des Optikers Bidlingmeier in Hechingen und von Privatleuten.
Herr Perere und der Headmaster der Taubstummenschule erzählen von den Erfolgen der Schüler der Blinden- und Taubstummenschule. Davon zeugen auch die viele Pokale auf den Regalen, die die Schüler bei Wettbewerben gewonnen haben, unter anderem die Cricketmannschaft der Taubstummenschule.  Genau für diese Mannschaft haben wir auch eine Überraschung im Gepäck:  neue Uniformen, sodass auch die taubstummen Schüler an den offiziellen Wettkämpfen in Sri Lanka teilnehmen können.  Gerade diese Art der Integration ist für behinderte Schüler eine Möglichkeit zu zeigen, dass sie auch gegen gesunde Schüler antreten können und z.T. auch besser sind.
 
Dann dürfen wir in das Klassenzimmer der Blindenschule.  In einem großen Raum werden alle Klassenstufen in Gruppen unterrichtet.  Hier sitzen Kinder und Jugendliche mit den unterschiedlichsten Sehbehinderungen zusammen.  Einige können schreiben und lesen, andere rechnen am Rechenbrett für Blinde, wieder andere tippen auf einer Braillemaschine.  Es herrscht eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre, wobei viele Kinder unauffällig zu uns herüberschauen, bzw. den Kopf in unsere Richtung drehen. Besonders freuen wir uns über einen ehemaligen blinden Schüler der Schule, der derzeit studiert, aber auch 2 Mal die Woche an der Blindenschule unterrichtet.  

Dann fahren wir weiter zur Taubstummenschule.
Es erwartet uns schon eine Musikgruppe in den Kostümen der Kandydancer und alle Schüler und Lehrer.
Es wird die Nationalhymne von Sri Lanka gesungen, bzw. in Gebärdensprache ausgedrückt, während Gamini die Fahne von Sri Lanka und der Headmaster der Taubstummenschule die Schulflagge hissen.
Anschließend führt die Tanzgruppe der Schule verschiedene traditionnelle und moderne Tänze auf.  Es sind taubstumme Mädchen, die sich zur Musik bewegen. Für uns ist keine Behinderung spürbar. Der vierte Tanz ist ein Hip Hop auf Shakiras WakaWaka, bei dem auch ein Junge mittanzt. Einfach genial! Die taubstummen Jugendlichen können den Rhythmus die Musik spüren, dank der von KbF gespendeten Musikanlage, die Gamini im Winter 2011/2012 in Tangalle überreicht hat.
Danach zeigt uns die Kunst-Gruppe der Schule ihre Werke.  In einem Atelier sind für uns die Bilder der begabten Schüler ausgestellt. Unter anderem ist ein 19-jähriges Mädchen anwesend, das viele der dort ausgestellten Bilder gemalt hat. Seit mehreren Jahren malt diese Kunstgruppe unter der fantastischen Anleitung des engagierten Lehrers und mit den von Kinder brauchen Frieden bezahlten Malutensilien für eine Ausstellung in Deutschland.  Mehr als 70 Bilder von hohem künstlerischen Wert sind schon in Hechingen. Im Landratsamt in Balingen sollen die Werke dieser taubstummen Schüler und Schülerinnen am 26. April 2013 mehrere Wochen gezeigt werden.  Die Anerkennung und Wertschätzung ist für die jungen Künstler eine nicht alltägliche Erfahrung, da in Sri Lanka Behinderte immer noch ausgegrenzt werden und sie auch nach der Schule keinerlei Aussichten auf eine Anstellung haben.
So finden auch an dieser Stelle die ersten Gespräche mit den verantwortlichen Lehrern statt, ob nicht gerade dieser begabten Gruppe ein selbstständiges Leben nach der Schule ermöglicht werden kann.  So soll jetzt in der Blindenschule ein Atelier entstehen, in der die Künstler produzieren und verkaufen können, auch wenn sie die Schule schon beendet haben.

Nach dem Essen wird uns ein Raum auf dem Gelände der Blindenschule gezeigt, den man als Atelier und Verkaufsraum für die Künstler der Taubstummenschule nutzen könnte.
Anschließend, wieder im Büro von Herrn Perere, übergibt Leonie das mitgebrachte Geld für folgende Projekte: Trikots für die Cricketmannschaft, Kostüme für die Tanzgruppe, eine kleine Spende für den Spielplatz und die jährliche Unterstützung der blinden Studenten, damit sie an einer normalen Universität studieren können.
Wir danken Herrn Perere und seinen Mitarbeitern für die gute Arbeit, die sie an den beiden Schulen leisten,  und verabschieden uns und sind von beiden Schulen begeistert.

Die Sonntagsschulen
In der Sonntagsschule werden wir von dem leitenden Mönch empfangen. Er führt uns über das Gelände und schließt für uns den Tempel auf, der über 400 Jahre alt ist.
Dann wird uns der Computerraum gezeigt, in dem Kinder brauchen Frieden einen anspruchsvollen PC-Kurs finanziert und so über 100 Kindern die Möglichkeit bietet, eine qualifizierten Umgang mit dem PC zu lernen.  An einer dieser Sonntagsschulen gibt es auch eine warme Mahlzeit für die teilnehmenden Kinder.
Leider ist es sehr offensichtlich, dass nicht genügend Computer zur Verfügung stehen. 

Das Kinderheim in Panadura
Wir fahren Richtung Panadura, wo wir das Kinderheim besuchen wollen, in dem Vijaja Bierlmeier gelebt hat, bis er adoptiert wurde.
Unterwegs kaufen wir Spielsachen für die Kinder: Autos, Beißring, Rasseln und Bücher.
In dem Heim leben z.Z. 11 Kinder und ein neugeborenes Mädchen (3 Wochen alt), das an einer Bushaltestelle ausgesetzt und gefunden wurde. Sie liegen in ihren Bettchen und werden sofort hochgenommen, wenn sie weinen.
Ein Junge ist von den Legosteinen begeistert und baut mit Leonie Türmchen, Achim und Meike spielen mit den anderen Kindern, die noch nicht laufen können und in ihren Bettchen sitzen oder liegen.
Die ältere Frau ist auch anwesend, der Conny Bierlmeier die Arbeit im Kinderheim vermittelt hat; liebevoll singt und spielt sie mit den Kindern - eine richtige Omi eben.
Es ist sehr sauber und freundlich in dem Kinderheim; trotzdem fällt es unglaublich schwer zu gehen und die Kinder, die keine Familie haben, zurückzulassen...

Die "Neuen"
Die Mitarbeiter des Jugendamtes führen uns zu zwei Familien, deren Not ihnen schon lange bekannt ist.
Gegen 15:00 Uhr sind wir bei der ersten Familie, einer Frau mit 5 Kindern. Als wir zu der „Wohnung“ kommen stellt sich heraus, dass sie 7 Kinder hat. Die Bleibe ist ein winziges Zimmer im Keller eines schmalen dunklen Hauses, in dem am Eingang eine alte Frau auf dem Boden schläft. Im Zimmer der Familie, schläft ein Säugling auf einem dünnen Handtuch auf dem Lehmboden und die anderen 6 Kinder sitzen darum herum in der Ecke unter dem Ventilator.
Es ist eine Familie, deren Vater sich - nach einer Säuberungsaktion der Regierung - in Untersuchungshaft befindet.  Diese Verfahren können in Sri Lanka sehr lange dauern und so fehlt der 8-köpfigen Familie Tag für Tag das Einkommen und das Essen.    
Als Soforthilfe übergeben wir € 200,00 und bitten die Mitarbeiterin des Jugendamtes um einen halbjährlichen Bericht.

Gegen 17:00 Uhr fahren wir weiter nach Kalagedikara zu Sahan und seiner Mutter, für den Achim schon eine Patenschaft gefunden hat. Der Vater von Sahan ist ein Rechtsanwalt, der auch in die Politik gehen will und viel Macht und Einfluss hat, und die Vaterschaft verleugnet.
Sie wohnen in einem Haus, das die Mutter finanziert hat und Sahans Vater auf sich überschreiben ließ. Er möchte die beiden aus dem Haus vertreiben.  Sein politischer Einfluss - so wird uns geschildert-  sei sehr groß, sodass die Mutter mit Sahan hilflos zusehen muss.
Die Mutter hat keine Arbeit und lebt von der Unterstützung ihrer Mutter und der buddhistischen Gemeinde. Die Mutter (Sahans Oma) ist inzwischen aber paralysiert.

Eine wunderbare Erfolgsgeschichte:  Chuleeka
Chuleeka ist 15 Jahre alt und macht in 2 Jahren das Abitur und ist eine strahlende junge Frau geworden. Sie hatte einen gekrümmten Rücken und wurde vor 4 Jahren an der Wirbelsäule operiert. Diese teure OP hat KbF bezahlt.
Sie bekommt noch eine monatl. Unterstützung für den Transport zu den Untersuchungen und für Nachhilfeunterricht, da sie viel in der Schule versäumt hat.
Chuleeka ist künstlerisch sehr begabt und hat schon viele Preise für ihre Bilder bekommen. Sie zeigt uns die Urkunden und einige Bilder. Auf allen Bildern sind lachende Figuren bzw. Tiere zu sehen. Sie macht einen glücklichen Eindruck.
In einem Gespräch wird ihr von uns vermittelt, dass die Unterstützung in zwei Jahren wegfallen wird. Sie und ihre Mutter haben nichts dagegen, auch sie haben das Gefühl, es geschafft zu haben und sind sehr dankbar. Allerdings kann sie sich jederzeit an KbF wenden, wenn wieder eine OP anstehen sollte . Es müssen evtl. die Stützen in der Wirbelsäule wieder entfernt werden.
Nach der Schule kann sie sich bei einer Kunstlehrerin/Malerin in der Nähe Tipps und Anregungen holen und kann dort vielleicht  auch Bilder verkaufen.

Das Familiendorf:  Children Need Peace Village
Nach einer herzlichen Begrüßung und Vorstellung mit unseren Partnern Milton und Indrika bekommen wir eine kurze Sightseeing-Tour in Colombo und bringen uns anschließend in unser Hotel.  Wir sind glücklich über den freien Nachmittag nach den anstrengend Tagen, die hinter uns liegen. Am Abend holt Indrika uns zum Essen bei sich zu Hause ab und so können wir erste Gespräche über unser Familiendorf führen, aber wir haben auch genügend Zeit, um mit unseren Partnern zu lachen und von den Menschen aus Hechingen zu erzählen, die Indrika und Milton kennen gelernt haben.


Früh am nächsten Morgen kommen beide Familien zu uns ins Hotel und wir haben mit Indrika und Milton und Thilaka eine erste Projektbesprechung.   Anschließend fahren wir nach Galadegara/Hanwella ins Familiendorf „Children need Peace“.
Wir werden von den Dorfbewohnern am Eingang empfangen. Nach der Begrüßung besichtigen wir die Häuser von außen. Sie haben alle einen neuen Anstrich bekommen und sind jetzt in verschiedenen Farben gestrichen: orange, rot, blau und gelb. Es wurden auch neue Dachrinnen angebracht, um zu vermeiden, dass der Regen direkt an die Hauswand spritzt. Milton und Indrika zeigen uns die  Batik- und Nähwerkstatt. Die Arbeit dort ruht vorübergehend, da im Dorf ein bedeutender Wechsel stattgefunden hat. 2 Familien haben das Dorf  verlassen, weil sie es geschafft haben, eine andere Unterkunft und Arbeit zu finden.   Eine weitere Frau bringt Unruhe und Streit unter die Dorfbewohner und Indrika und Milton denken darüber nach, eine andere Lösung für sie zu finden.  
Angrenzend an das Dorf soll ein Garten, eine kleine Plantage entstehen, auf der Kokospalmen und Bananen und Ananas angebaut werden können.  Dies ermöglicht eine Beschäftigung - auch von den behinderten Bewohnern des Dorfes - und die Selbstversorgung der Familien in unserem Dorf.  Das Gelände zur Bepflanzung soll hergerichtet werden.

An dieser Stelle einen herzlichen Dank an unsere Partner Indrika und Milton mit ihren Familien, die in ihrer Freizeit, Ansprechpartner, Schlichter und Organisator und Betreuer - alles in allem - sind und manchmal täglich im Einsatz.  Ohne sie wäre ein Helfen im Familiendorf nicht möglich!!


Meike Deuble und Leonie Schneider-Loye

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