5.bis 7.Tag - Von Balvan über Istanbul bis Izmit

Fast pünktlich um halb 3 Uhr morgens brachen wir vom Kinderheim in Balvan zu unserer Halbzeitetappe nach Istanbul auf. Die Straßen waren katastrophal, die Landschaften aber umso schöner.

 

Kurz vor der türkischen Grenze dann erneut ein vertrackter Kartenfehler. Die eingezeichnete Straße nach Lesovo, dem Grenzort existierte nicht. Also entweder 50 km Umweg oder querfeldein nach den Resten des Weges suchen. Wir haben uns zunächst für Letzteres entschieden und vermutlich den Weg auch tatsächlich gefunden.

 

Es waren die bisher abenteuerlichsten Kilometer, die wir bisher auf unserer Reise zurückgelegt haben, aber eben auch mit den beeindruckensten Bildern. Schlussendlich war der Weg für uns aber nicht mehr befahrbar, sodass wir schließlich doch umdrehen und den Umweg in Kauf nehmen mussten. Etwa um halb 10 waren wir dann an der Grenze. Noch kurz die Formalitäten erledigt und den Zöllnern erklärt, warum Altmetall wichtig für die Deutsch-Türkische Freundschaft ist und schon konnte das obligatorische Landesfoto gemacht werden. Hierbei haben wir mittlerweile Routine und brauchen weniger als eine Minute, um alles zu erledigen.

 

Mit immer noch reichlich Pufferzeit sind wir dann schließlich nach Istanbul aufgebrochen. Irgendwann sind mir dann die Augen zugefallen. Als ich wieder aufwachte, war es zwei Stunden später, aber wir waren noch immer nicht viel weiter gekommen. Schnell ließ ich mich aufklären, dass in Ermangelung einer Karte mit ausreichender Detailtreue (das kennen wir ja bereits) und recht unübersichtlichen Straßenverhältnissen eine kurze wenn auch unfreiwillige Sightseeing-Tour durch die Nordwest-Türkei erfolgt war mit einem Abstecher an die griechische Grenze :-))

 

Mit viel Gas geben haben wir es dann aber dann doch noch rechtzeitig nach Istanbul ins Fahrerlager auf die alte Galata-Brücke über dem Goldenen Horn geschafft. Als wir ankamen, waren die meisten anderen Teams schon da. Die 50 m, die von der Ponton-Brücke noch stehen, waren schon beinahe bis auf den letzten Zentimeter gefüllt. Wir haben schnell noch ein leeres Plätzchen gesucht, um unser Zelt aufzuschlagen. Den Abend haben wir sehr nett in einer typischen Teestube verbracht, wir haben lecker gegessen und mit Einheimischen über Politik, Gott und die Welt, die globalen Auswirkungen einer flächendeckenden Einführung von Sitztoiletten diskutiert. Alles in allem ein sehr gelungener Abend in Istanbul.

 

Am nächsten Morgen wurde das Fahrerlager zur Blauen Moschee verlegt und ein Ruhetag wartete auf uns. Darüber hinaus müssen wir uns auch langsam Gedanken über die nächste Rallye Aufgabe machen: Wir sollen die Arche Noah schwimmfähig im Maßstab 1:200 nachbauen. Heute nun waren das Konzert, die Enthüllung des Denkmals und der Massenstart durch die Istanbuler Innenstadt angesagt.

 

Das Konzert, nun, stellt Euch einfach vor, wie es klingt, wenn 300 Leute ein Lied, das sie nicht kennen auf einem Instrument spielen, das sie nicht beherrschen und 300 weitere Leute dazu nicht singen. Es wird wohl furchtbar gewesen sein, aber wir hatten mordsmäßig Spaß. Dann der Massenstart, von der Bühne zu Fuß zu den Autos laufen und dann möglichst schnell zur Bosporusfähre kommen und Ticket lösen – fertig. Unsere Bilanz – ein kaputtes Auto (Emma hats erwischt, sie läuft noch, kann aber nicht mehr so gut sehen und ein etwas deformiertes Gesicht), ein Muskelfaserriß und ein Platz so etwa im hinteren Mittelfeld.

 

Aber wir haben ein Video vom Unfall – das hat der Unfallfahrer selbst gedreht (ja, wir waren auch selbst schuld – sorry nochmal an die Pfadfinder, denen Gott sei Dank nichts passiert ist). Dann weiter nach Izmit, wo wir mit Polizeieskorte zu unserem Fahrercamp gebracht wurden –direkt am Meer.


Unterwegs nach Istanbul